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Zertifizierung zur Psychosozialen Prozessbegleitung

AUFSCHREI!-Mitarbeiterin hat die Zertifizierung zur Psychosozialen Prozessbegleitung absolviert.


Seit Januar 2017 besteht auch in Baden Württemberg ein Rechtsanspruch auf psychosoziale Prozessbegleitung. Das 3. Opferschutzreformgesetz führt im neuen § 406g der Strafprozessordnung die Psychosoziale Prozessbegleitung für besonders schutzbedürftige Verletzte schwerer Sexual- und Gewaltstraftaten ein.

Aufgrund der Neuregelung hat das AUFSCHREI!-Team beschlossen, dass eine Mitarbeiterin an der ersten Ausbildungsgruppe zur Psychosozialen Prozessbegleitung in Baden-Württemberg teilnehmen soll. Die umfangreiche Schulung schloss Frau Dagmar Stumpe-Blasel Ende 2016 mit einem Zertifikat ab, so dass sie mit Beginn des Inkrafttretens des 3. Opferschutzreformgesetzes das neue Aufgabengebiet bei AUFSCHREI! e. V. aufnehmen kann.

Das Ausbildungscurriculum beinhaltete eine Wissensvermittlung u.a. in Strafrecht und -verfahren, Anzeige- u. Ermittlungsverfahren, Psychotraumatologie und Aussagepsychologie, sowie zielgruppenspezifische Belastungsfaktoren z.B. bei Kleinkindern, Menschen mit Behinderung und Seniori_innen u.a.. Darüber hinaus beinhaltete die Ausbildung eine Prozessbeobachtung im Landgericht Offenburg.

Die Beratung bei AUFSCHREI!, die auch zukünftig weiterhin einen wichtigen Teil einnehmen wird, entscheidet sich vor allem in einem Punkt zur psychosozialen Prozessbegleitung: Während der Prozessvorbereitung im Strafverfahren wird nicht über den Tathergang bzw. über Sachverhalte gesprochen, die in der bevorstehenden Gerichtsverhandlung erörtert werden.

Unsere Zielgruppe sind Mädchen, Jungen, Frauen und Männer, die sexuelle Gewalt erlebt haben und in der Regel sehr traumatisiert sind. Vergewaltigt zu werden oder andere Formen von sexueller Gewalt ausgesetzt zu sein bedeutet, starke Ohnmachtsgefühle und einen existentiellen Kontrollverlust zu erleben. Die Abläufe von Ermittlungs- und Strafverfahren rufen oftmals eben solche Gefühle hervor, weil die Mitgestaltungsmöglichkeit für die Betroffenen sehr eingeschränkt ist.
Die Unterstützung durch ein Netzwerk von „Nebenklagevertretung und Prozessbegleitung“ kann die Situation der Betroffenen erheblich verbessern.

Die Psychosoziale Prozessbegleitung kann dazu beitragen, die Belastungen der betroffenen Mädchen, Jungen und Frauen und auch ihre Bezugspersonen zu verringern. Sie hilft Ängste abzubauen, in dem sie die Betroffene zur Anzeige begleitet, Kontakt zur Opferanwält_in aufnimmt, den Gerichtssaal gemeinsam mit der Betroffenen vorab anschaut und während der Hauptverhandlung anwesend ist.

Damit trägt die Psychosoziale Prozessbegleiterin dazu bei, dass sich Betroffene aussagefähig erleben und sich nicht ein zweites Mal hilflos ausgeliefert fühlen. Dies hat eine entscheidende Bedeutung für die Verarbeitung des Erlebten.
Ob sich die Anzeigenbereitschaft bei Mädchen und Frauen, die sexualisierte Gewalt erleben mit dem neuen Gesetz erhöht, lässt sich nicht im Voraus sagen. In 85 bis 95% der Fälle kommt es derzeit nicht zur Anzeige. Die Belastung im Strafverfahren bleibt trotz Begleitung hoch und die Hoffnung auf eine Verurteilung des Täters ist dennoch gering.
Wir setzen uns dafür ein, dass alle Betroffenen von sexueller Gewalt, die sich für eine Strafanzeige entscheiden, durch eine Psychosoziale Prozessbegleitung vor, während und nach der Hauptverhandlung unterstützt werden.

Presseartikel


Badische Zeitung: "Beistand von Profis für Opfer von Gewaltverbrechen"
Baden Online: "Diakonie und Aufschrei bieten Prozessbegleitung an"
Stadtanzeiger: "Eine Frage, Frau Stumpe-Basel Psychosoziale Prozessbegleitung"

Download Flyer Psychosoziale Prozessbewältigung



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UNSERE NEUE MITARBEITERIN: SUSANNE GEBELE


Seit 1. 8.2017 ist Frau Susanne Gebele neue Mitarbeiterin im Aufschrei-Team. Sie ist die Nachfolgerin von Frau Brigitte Graulich, die in Ruhestand ging.
















Dipl. Sozialpädagogin / Systemische Therapeutin (SG)

UMFRAGE DER UNABHÄNGIGEN KOMMISSION ZUR AUFARBEITUNG DES SEXUELLEN MISSBRAUCHS

 

Im Rahmen der Arbeit der Unabhängigen Kommission zur Aufarbeitung des sexuellen Missbrauchs führt das Sozialwissenschaftliche FrauenForschungsinstitut Freiburg eine Umfrage unter betroffenen Frauen und Männern durch. Sie interessiert, welche Erwartungen Betroffene an die Aufarbeitungskommission und an Aufarbeitung generell haben. (www.aufarbeitungskommission.de)

 

Der untenstehende link führt zu einem Online-Fragebogen. Er soll dabei helfen, die Arbeit der Aufarbeitungskommission möglichst nah an den Erwartungen von Betroffenen zu orientieren bzw. rasch öffentlich zu machen, welche Erwartungen nicht erfüllt werden können.
https://www.soscisurvey.de/Erwartungen-Aufarbeitung/

 

Für Eure/Ihre Unterstützung danken wir schon jetzt. Bei Nachfragen sind wir unter folgender Mailadresse erreichbar: Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein!

Einen herzlichen Gruß,
Barbara Kavemann und Bianca Nagel

 

Prof. Dr. Barbara Kavemann
Sozialwissenschaftliches FrauenForschungsInstitut Freiburg
Berliner Büro
Düsseldorferstraße 4
10719 Berlin